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25. - 28. Juni 2026

International, poetisch & kraftvoll – die Konzerte auf der MainStage

JB 6 NDR Bigband feat. Pablo Martin Caminero.

Jazz Baltica, 30.06.24

Vom 25. bis 28. Juni 2026 wird Timmendorfer Strand erneut zu einer pulsierenden Bühne des zeitgenössischen Jazz. Rund um den Strandpark öffnet das Festival mit 36 Konzerten Türen zu neuen Klangwelten.

JazzBaltica präsentiert aktuelle Stimmen und frische Jazzimpulse. So sind erstmals auf der MainStage der schwedische Perkussionist Emil Brandqvist, der amerikanische Sänger Michael Mayo, der als Solist an der Seite der Norrbotten Big Band zu hören sein wird, der amerikanische Fusion-Keyboarder Bobby Sparks II und seine Band sowie der finnische Jazzgitarrist Kalle Kalima und der südafrikanische Pianist Nduduzo Makhathini bei JazzBaltica zu erleben. 

Ein besonderer Akzent liegt in diesem Jahr auf der Vibrafon-Szene. Christopher Dell, Radek Szarek, Hauke Renken und Arthur Clees bringen aufregende Programme auf die Bühne und lassen die faszinierende Raffinesse dieses Instruments in seinen schwebenden Klangfarben, rhythmischen Sounds und harmonischen Grooves aufleuchten.

Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit vertrauten Weggefährten des Festivals: Omar Sosa, Joo Kraus und Diego Piñera, David Helbock, China Moses, Clara Haberkamp, die NDR Bigband und viele andere kehren zurück an den Timmendorfer Strand und knüpfen an musikalische Geschichten an, die hier ihre künstlerische Heimat gefunden haben. 

Ein besonderer Höhepunkt ist auch in diesem Jahr wieder das Familienkonzert: »Unfug mit Michel aus Lönneberga« verbindet das JazzBaltica Ensemble mit der Erzählkunst des großartigen Schauspielers Gustav Peter Wöhler und lädt ältere wie jüngere Zuhörerinnen und Zuhörer zu einem gemeinsamen Erlebnis ein.

Die Konzerte auf der MainStage 

Beim Sonderkonzert am Donnerstagabend zelebriert Ivan Lins, die Ikone der Música Popular Brasileira aus Rio de Janeiro, ein einzigartiges JazzBaltica-Konzert. Gemeinsam mit dem renommierten amerikanischen Vokalensemble New York Voices und der berühmten Danish Radio Big Band unter der Leitung des Arrangeurmeisters Ralf Schmid präsentiert er die ganze Kraft seiner Musik: Eine sinnliche Synthese aus Samba, Bossa Nova, brasilianischem Pop und Jazz – klanglich reich, von verführerischer Melancholie durchzogen und von energetischer Lebensfreude getragen. (JB S)

Das Emil Brandqvist Trio eröffnet am Freitag das reguläre Programm auf der MainStage. Es stellt die Hierarchien des klassischen Piano-Trios elegant auf den Kopf. Hier führt nämlich nicht der Pianist, sondern der Schlagzeuger. Brandqvist gibt vom Drumset aus den Takt mit subtiler Autorität vor und setzt Impulse, die neue klangliche Räume erschließen. Was über sieben Alben hinweg zwischen ihm, dem Bassisten Max Thornberg und dem Pianisten Tuomas A. Turunen entstanden ist, gleicht einer musikalischen Telepathie. Ihre Kompositionen oszillieren zwischen melancholischer Poesie und kraftvoller Verdichtung – eine zeitlose Musik, die sich dem flüchtigen Zeitgeist entzieht. (JB 1)

Anschließend feiert ein außergewöhnliches Gesangstalent seine Premiere am Timmendorfer Strand: Michael Mayo, dessen Stimme mit spielerischer Eleganz zwischen Scat, Beatbox und lyrischem Gesang changiert, als wären die Grenzen zwischen diesen Welten nicht existent. Der 33-jährige US-Amerikaner, Schüler von Meistern wie Herbie Hancock und Dianne Reeves, hat eine Klangsprache entwickelt, die sich jeder Kategorisierung entzieht. Bei seinen stimmlichen Kaskaden zwischen Jazz, Pop und Soul wird er von der schwedischen Norrbotten Big Band, einem der innovativsten Ensembles Europas, begleitet. (JB 1)

Der Freitag endet mit dem Auftritt des Keyboarders Bobby Sparks II, der in seiner Musik die Genres mit einer lässigen Selbstverständlichkeit ineinander übergehen lässt, als wäre es der natürlichste Vorgang der Welt. Was er seinem Tasteninstrument entlockt, verweigert sich jeder akustischen Einordnung: Mal hört man ein Saxofon, mal eine E-Gitarre und dann eine Trompete. Tatsächlich aber bedient Sparks ein Clavinet, ein heute nahezu ausgestorbenes Keyboard, mit dem er die kühnsten Tonmodulationen erzeugen kann. Auf seinem aktuellen Album »Paranoia« verbindet der texanische Musiker Einflüsse aus Jazz, HipHop, Funk und Rock zu einem einzigartigen Sound der Gegenwart. (JB 2)

Der Sonnabend beginnt auf der MainStage mit dem Britta Virves Trio. Die estnische Pianistin und Komponistin, seit langem in Stockholm ansässig, ist ein Nachwuchsstar der europäischen Jazzszene. Gemeinsam mit Jon Henriksson am Bass und Jonas Bäckman am Schlagzeug erschafft sie eine intime baltisch-skandinavische Klangverschmelzung, in der sich nordische Weite, estnische Innerlichkeit und sinnliche Naturklänge zu einer stillen, atmosphärischen Jazzmeditation vereinen. (JB 3)

KMK – drei Initialbuchstaben, die zunächst andere Assoziationen wecken mögen, doch mit der Kultusministerkonferenz hat dieses in Berlin formierte Trio wahrlich nichts gemein: Der Finne Kalle Kalima an der E-Gitarre, die Bosniakin Mirna Bogdanovic mit ihrer Stimme und der Deutsche Keisuke Matsuno ebenfalls an der E-Gitarre haben sich zu einer Formation zusammengefunden, die das klassische Trio-Format wagemutig unterläuft. Die drei entwickeln als Delay Lake ein filigranes Geflecht aus Klangfäden, in dem sich die Grenzen zwischen Begleitung und Führung, zwischen Harmonie und Dissonanz auflösen – ein Trio, das zeigt, wie zeitgenössischer Jazz klingen kann. (JB 3)

Den Begriff »Supergroup« sollte man sparsam gebrauchen. Doch wenn diese Musiker aufeinandertreffen, drängt sich der Superlativ auf: Arve Henriksen (Trompete), Trygve Seim (Saxofon), Anders Jormin (Bass) und Markku Ounaskari (Schlagzeug) zählen seit langem zu den bedeutendsten Jazzern unserer Zeit. Alle vier stehen für eine Ästhetik, »bei der es um die Musik und weniger um die Demonstration des Könnens geht«, wie Seim es prägnant formuliert. Mit ihrem Projekt »Arcanum« entfaltet die finnisch-schwedisch-norwegische Formation eine richtungsweisende Tonsprache, in der avantgardistische Experimente nordisch geerdet werden. (JB 4)

Peter Gall gehört zu den profiliertesten deutschen Schlagzeugern, doch er ist auch ein Komponist und Bandleader, dessen Blick weit über den Trommelrand hinausreicht. Bei seinem jüngsten Album »Love Avatar« präsentiert er kompakte, atmosphärische Klangcollagen, die nach Neuem in der Musik suchen. An seiner Seite spielen Wanja Slavin (Saxofon), Carl Morgan (Gitarre), Rainer Böhm (Piano) und Matthias Pichler (Bass) – allesamt Spitzenkräfte des europäischen Jazz. Die perfekt aufeinander eingespielte Formation entfaltet mitreißend ein futuristisches Mosaik aus Jazz, Fusion und hypnotisierenden Grooves. (JB 4)

Alma Naidu gilt als eine große Entdeckung des deutschen Jazzgesangs. Die junge Münchnerin, die in den vergangenen Jahren zunehmend ins Rampenlicht rückte, beeindruckt nicht nur mit ihrer Stimme, sondern ebenso als versierte Komponistin. Ihre Stücke haben eine genau justierte Dramaturgie, in der weit gespannte Melodiebögen auf präzise akzentuierte Rhythmen treffen. Naidus Songwriting, durchzogen von einem sicheren Gespür für Arrangements, bewegt sich souverän zwischen kraftvoll verdichteter Poesie und seelenvollen Kantilenen. (JB 5)

Es ist eine Jazzfreundschaft von großer Beständigkeit: Den deutschen Trompeter Joo Kraus, den uruguayischen Schlagzeuger Diego Piñera und den kubanischen Pianisten Omar Sosa verbindet seit Jahren eine musikalische Wahlverwandtschaft, die sie in immer neuen Konstellationen erproben. Im Trio »Vibe Factor« bündeln sie ihre Erfahrungen zu einem furios vielschichtigen Klangbild – mal sphärisch und irisierend, mal eruptiv und immer von elektrisierender Spannung getragen. Die drei vielfach ausgezeichneten Musiker verbinden zeitgenössische Beats mit südamerikanischer Polyrhythmik und erschaffen ein lebendiges Zusammenspiel von Tradition und Moderne. (JB 5)

Am Sonntag eröffnet das Familienkonzert die MainStage: Der kleine Michel lebt mit seinen Eltern, seiner Schwester Klein-Ida, der Magd Lina und dem Knecht Alfred auf einem Hof im småländischen Lönneberga. Mit seinen unerschöpflichen Einfällen gerät er von einem Abenteuer ins nächste: Mal lässt er Klein-Ida an der Fahnenstange in den Himmel wachsen, mal bleibt sein Kopf in einer Suppenschüssel gefangen oder er schließt seinen Vater im Toilettenhäuschen ein, stets zur fröhlichen Verblüffung seiner Umgebung. Im Familienkonzert lassen Nils Landgren, Lisa Stick, Izumi Ster, Annette Saxe und Eva Klesse gemeinsam mit dem Schauspieler Gustav Peter Wöhler als Sprecher die heiteren Geschichten rund um diese unvergessliche Figur Astrid Lindgrens in schillernden Klang- und Erzählwelten neu aufleben. (JB kids)

Am Sonntagmittag folgt das Konzert der NDR Bigband unter der Leitung ihrer Chefdirigentin Nikki Iles. Mit ihrem Programm »The Shadow of a Dream« entfaltet Iles eine musikalische Reflexion über unsere Gegenwart. »Ich habe mich auf Themen der Einheit konzentriert – darauf, wie wichtig es ist, trotz der Herausforderungen, die uns begegnen, Empathie zu bewahren und einen gemeinsamen Boden zu finden. Das gemeinsame Musizieren schenkt mir Hoffnung für unsere gemeinsame Menschlichkeit und erinnert mich daran, dass wir keine Angst vor Träumen haben dürfen«, erklärt sie. Jede Note, jede orchestrale Wendung wirkt hier wie ein kleiner Lichtstrahl, der Brücken schlägt und die Musik als verbindende Kraft feiert. (JB 6)

Der Pianist David Helbock ist ein Aushängeschild des österreichischen Jazz. Mit seiner Virtuosität und unbändigen Kreativität begeistert er das Publikum aller Kontinente. Für sein aktuelles Vorhaben konnte Helbock die vielseitige Bassistin und Cellistin Julia Hofer aus Wien als Duopartnerin gewinnen. Hofer, bisher vor allem in der Popwelt bekannt, zeigt hier ihr Können in einem ganz neuen Kontext. Ihre gemeinsame Musik lebt von Kontrasten: Groove und Stille, Experiment und Eingängigkeit, Improvisation und Intuition fließen ineinander über und changieren brillant zwischen Jazz, Pop und Klassik. (JB 7)

Der südafrikanische Pianist Nduduzo Makhathini zählt zu den originellsten Stimmen der zeitgenössischen Jazzszene. In seinem temperamentvollen Spiel vermischen sich Jazz, rituelle afrikanische Musik und Gospel zu einer dynamischen Synthese, die in der Tradition südafrikanischer Legenden wie Bheki Mseleku, Moses Molelekwa und Abdullah Ibrahim steht. In seinem Spiel überträgt Makhathini die Klicklaute der Zulu-Sprache in ein universelles musikalisches Vokabular und lässt zugleich Impulse der spirituell aufgeladenen Klangwelt John Coltranes und McCoy Tyners einfließen. Das Ergebnis ist eine eindringliche Musik, die von einer spirituellen Aura umhüllt wird. (JB 7)

Zum Abschluss der MainStage-Konzerte treffen Nils Landgren (Posaune/Gesang), Michael Wollny (Piano), Lars Danielsson(Bass/Cello) und Wolfgang Haffner (Schlagzeug) auf den schwedischen Multiinstrumentalisten Magnus Lindgren, die amerikanische Jazzsängerin China Moses und eine Blechbläser-Sektion. Dabei entsteht ein vielschichtiges Klangereignis aus gefühlvollen Eigenkompositionen, fesselnden Instrumentalsoli und vokaler Akrobatik, in dem sich improvisatorische Freiheit und orchestrale Präzision durchdringen – ein Finale voller Kunstfertigkeit und stilistischer Weite. (JB 8)